Neuraltherapie – Heilung in Sekunden
Von Caroline Katzenbach
Was bei vielen Therapieformen erwünscht ist, wird bei der Neuraltherapie möglich. Aber auch als Schmerztherapie und Störfelddiagnostik leistet die Neuraltherapie Erstaunliches.
Der Begriff Neuraltherapie geht auf die Brüder Walter und Ferdinand Huneke zurück, die in den zwanziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts die Möglichkeit entdeckten, Lokalanästhetika (Procain oder Lidocain) nicht nur zur Betäubung, sondern auch als Heilmittel einzusetzen. So erreichten sie bei einer intravenösen Injektion von Procain bei einer Migränepatientin eine völlige Ausheilung ihrer Beschwerden.
Die Ursache verschiedener Krankheitsbilder und -verläufe kann nach dem Verständnis der Neuraltherapie häufig auf andere körpereigene Strukturen zurückgeführt werden, welche auch weit entfernt liegen können von dem Körperteil wo die Symptome stattfinden. Diese weiter entfernten Strukturen werden als Störfelder bezeichnet.
Verletzungen, Brüche, Narben, chronische Entzündungen und Traumata können als solche Störfelder auftreten. Ein Störfeld stellt eine Blockade im Kommunikationsfluss des Körpers dar. Mit der Injektion des Procain wird die Blockade gelöst und es kann zur Heilung kommen.
Die Störfeldtherapie hat zur Grundlage, dass an jeder Stelle des Körpers Störfelder vorhanden sein können, die wiederum an anderen Stellen Krankheiten und Schmerzen verursachen. Eine sinnvolle Arbeit in der Neuraltherapie ist deshalb auch die Entstörung von Narben jeglicher Art.
Grundsätzlich gilt für Störfelder nach der Definition der Hunekes:
Jede chronische Erkrankung kann störfeldbedingt sein – muss es aber nicht.
Jede Erkrankung oder Verletzung kann ein Störfeld verursachen.
Jede Krankheit die störfeldbedingt ist, kann ausschließlich durch die Ausschaltung des Störfeldes geheilt werden.
1940 entdeckten die Brüder Huneke das so genannte Sekundenphänomen. hierbei konnten sie bei der Injektion in die schmerzende Schulter einer Patientin zwar nicht deren Heilung, dafür aber das Aufflackern einer eitrigen Knochenentzündung im Unterschenkel der Patientin beobachten. als der Unterschenkel ebenfalls mit Procain behandelt wurde, verschwanden die Schulterschmerzen auf der Stelle. Die eitrige Knochenentzündung war offensichtlich ein Störfeld, das durch die Injektion aufgelöst wurde.
Außerdem wird die Neuraltherapie als Segment-Therapie (über die den einzelnen Organen zugeordneten Hautzonen), als Umstimmungstherapie, sowie als Schmerztherapie durch Injektion am Symptomort durchgeführt.
Der Wirkmechanismus des Procain
Wie nun wirkt das Procain eigentlich in der Neuraltherapie? Während einst Procain lediglich zu Betäubung eingesetzt wurde, hat die moderne Medizin für die Betäubung mittlerweile wirksamere Mittel gefunden, die betäubende Wirkung des Procains ist in der Neuraltherapie lediglich als Nebenwirkung einzustufen.
Wichtig wird die Wirkung bei der Reizweiterleitung im Vegetativum (vegetatives Nervensystem): Die Homöostase (Gleichgewicht) des Körpers erfordert es, dass die Nervenzelle eine bestimmte Ladung aufweisen muss, um das Reizleitungssystem perfekt funktionieren zu lassen. Normalerweise wird das Laden und Entladen dieser Zelle als Regelkreis erfüllt. Unterbrechungen wie Narben unterbrechen diese nervalen Regelkreise und rufen so andernorts Krankheiten hervor. Da Procain eine extrem hohe positive Ladung von 290 mV besitzt hat es die Fähigkeit den Ladezustand einer Zelle schnell positiv zu beeinflussen und das Reizleitungssystem wieder zu normalisieren.