Alles Bio?
Von Caroline Katzenbach
Was können wir nach BSE und MKS noch essen? Soll man nun auf Bioprodukte umsteigen oder lieber seine Ernährungsweise ändern?
Bei meinem Kaufhaus um die Ecke konnte ich es eindringlich verfolgen: Seit der BSE Krise ist der Naturkostwarenbereich binnen kürzester Zeit um rund ein Drittel vergrößert worden. Eine Nachfrage bei der kurzerhand zur Naturkostwarenverkäuferin ernannten "Fachkraft" verschaffte mir Sicherheit: Der Naturkostbereich boomt, nicht nur im Bereich des Fleisches, nein im Zuge der allgemeinen Verunsicherung steigen die Verbraucher derzeit in allen Bereichen vermehrt auf Biokost um. Die Medien berichten Gleiches - schon herrscht mehr Nachfrage als Angebot, beispielsweise bei den pflanzlichen Pasteten oder last but not least bei den Fleischprodukten
Und woher soll es auch kommen, das ganze Bio-Fleisch oder die Wurstersatzprodukte wie pflanzliche Pasteten, sollen sie doch Produkte natürlicher Herkunft und naturgerechter Verarbeitung sein und bleiben? Es ist vielleicht doch nicht möglich, das eine gegen das andere auszutauschen, ohne grundsätzlich Ernährungsgewohnheiten zu überdenken! Die Herausforderung als These bedeutet doch: Ist es nicht grundsätzlich unlogisch weiterhin dem ungehinderten Fleischkonsum zu frönen, der ja Mitschuld trägt an den Bedingungen der Massentierhaltung und damit verbunden dem Tiermehlskandal, um stattdessen auf Biofleisch oder gar auf exotische Fleischarten wie Truthahn oder Känguru umzusteigen? Die Biobranche wird diesen Umstieg zwar gutheißen, in seiner Produktion aber nicht nachkommen können, nicht ohne Einkalkulierung von Qualitätsverlusten.
Bei der Frage nach naturgerechter und gesunder Ernährung erübrigt sich dann auch die Frage, ob denn soviel Nachfrage nach Fleisch zu befriedigen sei. Wem es ohnehin schon schlecht geworden ist bei der Verfolgung des BSE-Skandals, ist sich vielleicht schon bewusst geworden, dass es möglicherweise reicht, wenn einmal die Woche Fleisch auf den Speiseplan kommt. Entmutigen lassen sollte man sich auch keinesfalls durch die Tatsache, dass eingefleischte Befürworter urteilen, selbst das Gemüse sei verseucht und man wisse ja so und so nicht mehr was man essen solle. Dem halte ich entgegen: Man sollte schon wissen, was man isst und man sollte das essen, von dem man weiß, dass es einen ernährt - im wahrsten Sinne des Wortes. Sprich: Halten Sie sich vielleicht mal wieder an Obst und Gemüse der Saison, kaufen Sie es im Bioladen, wenn Sie möchten und denken Sie immer mal wieder darüber nach, was Sie essen und warum
Bei all der Diskussion um unsere Lebensmittel sollte Ihnen die Lust am Essen jedoch nicht vergehen! Nahrungsaufnahme ist unsere Lebensgrundlage und sollte bewusst genossen sehr viel Freude machen!